Morgen, Kinder, wird's was geben

Es war eine kalte Nacht.
Heute Morgen liegt etwas anderes in der Luft – die Sonne steht tiefer, die Blätter fallen, und ich habe, noch bevor ich mir einen Kaffee gemacht habe, eine Duftkerze angezündet.
Die große Kanne Tee aufgesetzt. Und auf einmal war es da, dieses Gefühl, auf das ich seit Wochen gewartet habe:
Jetzt bin ich bereit für Weihnachten.
Weihnachten im Hochsommer
- und eine Schale, die mich nicht mehr loslässt
Dabei beschäftige ich mich berufsbedingt schon seit dem Sommer mit Weihnachten.
Deko-Messen, Trendrecherche – während die meisten noch im T-Shirt in der Sonne saßen, habe ich Weihnachtskugeln gesichtet und Neuheiten bewertet.
Das ist mein Rhythmus als Designerin.
Und trotzdem war der innere Startschuss heute.
Ein Stück habe ich seit Wochen im Kopf: eine Kerzenschale aus Keramik, der ich auf einer Messe begegnet bin und an die ich seitdem immer wieder denken muss. Die Proportion zwischen Schale und Fuß.

Das glänzende Finish der Oberfläche. Und dieser ganz zarte rote Rand – der mich sofort an Dänemark erinnert hat, an schwedische Wintermärkte, an dieses skandinavische Gespür für Reduktion, das trotzdem warm bleibt.
Jahrelang habe ich Adventskränze selbst gesteckt. Echte Tannenzweige, Draht, Moos, die ganze Arbeit. Und ich habe diese Kränze geliebt – das Handwerk, den Geruch, die Nadeln auf dem Tisch. Aber irgendwann wollte ich auch einfach etwas Neues. Diese Schale ist meine Antwort darauf.
Das Geheimnis der Blicklinien
Was beim Dekorieren oft übersehen wird: Ein Raum hat Blicklinien.
Wenn man ihn betritt, zieht irgendetwas den Blick an – ein Fenster, eine Ecke, der Esstisch in der Mitte. Abends auf der Couch gibt es andere Richtungen, in die man immer wieder schaut. Und genau dort, wo der Blick immer wieder hingeht, gehört die Dekoration hin.
Mein Tipp: Einfach mal hinsetzen.
Aufs Lieblingssofa, in den Sessel, an den Esstisch – und schauen, wohin der Blick ganz von selbst wandert. Was sieht man als Erstes? Wo bleibt das Auge hängen? Genau diese Punkte sind die besten Plätze für die Deko.
Für Weihnachten bedeutet das bei mir: mehrere Stationen.
Die Kerzenschale ist eine davon – das neue Zentrum in diesem Jahr. Aber sie teilt sich den Raum mit der Krippe, die bei uns seit Jahren zum Advent gehört und die meine Kinder jedes Mal aufs Neue auspacken wollen. Mit der Weihnachtspyramide, die sich dreht, sobald die Kerzen brennen. Mit Kerzengläsern, die dekoriert und in Szene gesetzt werden. Und mit den immer gleichen, geliebten Deko-Elementen aus meiner Kindheit – die für mich inzwischen genauso zur Weihnachtsstimmung gehören wie der Geruch von Tannennadeln.
Nichts davon steht für sich allein. Jede Station ist Teil eines Ganzen.


Moos, Tanne, Christrosen - und zum ersten Mal eine Schleife
Rund um die Kerzenschale arbeite ich in diesem Jahr mit dem, was ich am meisten mag: Naturmaterialien.
Moos als Basis. Zweige von Fichten, Tannen, Koniferen – das ist der Geruch von Weihnachten, bevor überhaupt eine Kerze brennt. Stechpalme darf nicht fehlen. Und ich werde auch Christrosen einsetzen, diese stillen weißen Winterblüten, die man viel zu selten in Weihnachtsdekorationen sieht. Tannenzapfen, einzelne Rentiere aus Antiksilber.
Ich zeige dieses Jahr zwei Farbwelten.
Die eine ist klassisch: Rot und Grün, das Vertrauteste was es gibt, und trotzdem immer wieder schön. Die andere ist kühler, eleganter – Silber und Weiß, fast skandinavisch in der Zurückhaltung.

Und dann ist da noch die Schleife.
Dieses Jahr werde ich eine umsetzen – einen Trend, den ich auf den Messen sehr stark gesehen habe und der mich tatsächlich überzeugt hat. Große, haptische Schleifen als Einzelelement, als Statement. Ich mag das, wenn es nicht ins Kitschige abrutscht – und das ist wie bei so vielem eine Frage der Proportion und des Kontexts.
Schleifen und Lichterketten überall – warum ich trotzdem bei Kerzen bleibe
Zwei Dinge sind mir auf den Messen in diesem Jahr besonders aufgefallen.
Das erste sind Schleifen – überall, in jeder Größe, jeder Materialität. Als Einzelelement an einem Zweig. Als ganzer Baum, der von oben bis unten damit dekoriert ist. Ich verstehe den Reiz: Eine Schleife hat Volumen, hat Haptik, zieht den Blick an. Und richtig eingesetzt kann das sehr schön sein.
Das zweite sind elektrische Lichterketten in jeder erdenklichen Form. Warmes Licht, kaltes Licht, Sternenketten, winzige Punkte, große Glühbirnen – der Effekt auf den Messeständen war oft atemberaubend, ehrlich gesagt wie ein Wintertraum.
Trotzdem bleibe ich bei Kerzen.
Nicht aus Prinzip, sondern weil dieses Flackern, diese lebendige Wärme, für mich zum Gefühl von Weihnachten gehört – genauso wie heute Morgen die Duftkerze. Lichterketten setze ich ein, wo sie praktisch sind und wo sie einen Raum ergänzen. Aber das Zentrum bleibt die Natürlichkeit.
Die Kerzenschale steht jetzt auf dem Tisch. Die Zweige daneben, noch ohne Wasser. Der Tee ist fast ausgetrunken. Draußen fallen die Blätter.
Heute Abend gestalte ich das erste Arrangement.
Du möchtest dieses Gefühl nicht nur an Weihnachten – sondern das ganze Jahr in deinem Zuhause?
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